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The Last Showgirl

The Last Showgirl ist ein stilles, nostalgisches Drama über eine Tänzerin, deren Bühne schließt und die sich fragen muss, was vom eigenen Leben bleibt.

·4 Min. Lesezeit
Cover von The Last Showgirl

Ich bin Netflix-Kunde und bekomme eine E-Mail, wenn ein Film aus dem Abo verschwindet. So habe ich erfahren, dass The Last Showgirl in wenigen Tagen nicht mehr verfügbar sein würde. Bisher hatte ich den Film nicht auf dem Schirm – vielleicht auch, weil Pamela Anderson als Hauptdarstellerin nicht unbedingt jemand ist, nach dessen Filmen ich gezielt suche.

Pamela Anderson ist in den vergangenen Jahren wieder stärker in den Blick der Öffentlichkeit gerückt. Dabei gefällt mir ihre natürliche, ungekünstelte Ausstrahlung. Sie wirkt nicht so, als würde sie dem üblichen Druck folgen, immer jünger und perfekter aussehen zu müssen. Diese gelassene Präsenz passt sehr gut zu ihrer Rolle in diesem Film.

Eine Show, deren Zeit vorbei ist

Wie der Titel schon andeutet, geht es in The Last Showgirl um eine Showgirl-Truppe: Frauen, die Abend für Abend in einer aufwendig inszenierten Revue tanzen. Shelley Gardner (Pamela Anderson) ist seit mehr als dreißig Jahren Teil dieser Welt. Sie kennt kaum ein anderes Leben.

Doch die Show hat ihre besten Tage hinter sich. Es kommen immer weniger Zuschauer, und schließlich wird entschieden, sie ganz einzustellen. Für Shelley ist das mehr als der Verlust eines Arbeitsplatzes. Mit dem Ende der Show verschwindet der Mittelpunkt ihres Lebens. Sie muss sich fragen, was sie danach überhaupt noch anfangen soll.

Ihre Freundin Annette (Jamie Lee Curtis) kennt dieses Gefühl bereits. Sie ist selbst nicht mehr als Tänzerin aktiv und arbeitet inzwischen als Cocktail-Serviererin in einem Casino. Zwischen den beiden Frauen entsteht eine Freundschaft, die von gemeinsamen Erinnerungen, aber auch von sehr unterschiedlichen Vorstellungen vom Leben geprägt ist.

Zu Shelleys Vergangenheit gehört außerdem ihre erwachsene Tochter Hannah. Weil Shelley ihr Leben lang auf der Bühne stand, war für ihre Tochter offenbar oft zu wenig Zeit. Das Verhältnis zwischen den beiden ist angespannt. Der Film macht daraus keinen einfachen Konflikt mit einer eindeutigen Schuldigen, sondern zeigt zwei Menschen, die sich nahestehen und trotzdem nur schwer zueinanderfinden.

Drei Gesichter hinter dem Film

Pamela Anderson in einer Porträtaufnahme
Pamela Anderson
Jamie Lee Curtis in einer Porträtaufnahme
Jamie Lee Curtis
Gia Coppola bei einem Gespräch auf einer Bühne
Regisseurin Gia Coppola

Ein Film wie eine Erinnerung

Regie führte Gia Coppola, die Enkelin des bekannten Regisseurs Francis Ford Coppola. Ihr Film wirkt eigenwillig und gleichzeitig vertraut. The Last Showgirl sieht nicht aus wie ein makellos ausgeleuchtetes Gegenwartsdrama. Farben, Licht und Bildgestaltung geben ihm den Anschein, als stamme er aus einer etwas früheren Zeit.

An den Seiten des Bildes liegt häufig eine weiche Unschärfe. Dadurch wirkt der Film, als würde man nicht direkt auf die Gegenwart schauen, sondern auf eine Erinnerung an sie. Das Bild ist nicht immer gestochen scharf, und genau das macht seinen besonderen Reiz aus. Die Unschärfe lässt die Welt der Show zugleich größer und vergänglicher erscheinen – wie eine Bühne, die noch einmal aufleuchtet, obwohl ihr Ende längst absehbar ist.

Dieser Stil passt sehr gut zu Shelleys Geschichte. Sie hält an ihrer Vergangenheit fest, weil sie ihr Halt gibt. Die Show ist vielleicht nicht mehr zeitgemäß, aber sie ist der Ort, an dem Shelley sich selbst wiedererkennt. Wenn dieser Ort verschwindet, wird auch ihre eigene Vergangenheit unsicher.

Was bleibt, wenn die besten Jahre vorbei sind?

Warum schreibe ich über diesen Film? Ich bin nicht mehr der Jüngste und mit Pamela Anderson groß geworden. Sie war lange ein Teil der Popkultur, die man einfach kannte – selbst dann, wenn man ihre Filme oder Serien nicht regelmäßig gesehen hat.

Der Film hat mich deshalb an die eigene Jugend und an vergangene Zeiten erinnert. Natürlich hatte mein Leben nichts mit einer Showgirl-Bühne zu tun. Trotzdem kennt vermutlich jeder dieses Gefühl, irgendwann zurückzublicken und festzustellen, wie schnell die Jahre vergangen sind. Menschen, Orte und Gewohnheiten, die einmal selbstverständlich waren, sind plötzlich verschwunden.

Shelley muss sich mit genau dieser Veränderung auseinandersetzen. Sie denkt darüber nach, was sie erreicht hat und was sie vielleicht versäumt hat. Besonders ihre Beziehung zu Hannah lässt die Frage offen, ob Shelley früher mehr Zeit mit ihrer Tochter hätte verbringen müssen. Eine einfache Antwort darauf gibt der Film nicht. Vielleicht ist das auch seine Stärke: Er urteilt nicht, sondern lässt Shelley mit ihrer Vergangenheit leben.

Für wen ist der Film geeignet?

Wer Action, schnelle Wendungen oder eine aufdringliche Erotik erwartet, ist bei The Last Showgirl falsch. Der Film ist ruhig, melancholisch und nostalgisch. Es wird viel über vergangene Zeiten gesprochen, über alte Erfolge und über die Angst, nicht mehr gebraucht zu werden.

Obwohl der Film in der Welt der Showgirls spielt, möchte er nicht erotisch sein. Es gibt einige freizügige Momente, aber nackte Haut ist nicht sein Thema. Im Mittelpunkt stehen die Menschen hinter der Bühne: ihre Freundschaften, ihre Verletzungen und der Versuch, einen neuen Platz im Leben zu finden.

Mein Fazit

Mir hat The Last Showgirl vor allem wegen seiner Stimmung gefallen. Der Film erzählt keine spektakuläre Geschichte, sondern beobachtet eine Frau, die Abschied nehmen muss – von ihrer Bühne, ihrer Jugend und vielleicht auch von einem Bild, das sie von sich selbst hatte.

Wer sich auf ein langsames, nachdenkliches Drama einlassen kann, bekommt einen ungewöhnlichen und sehenswerten Film. Für mich ist The Last Showgirl weniger ein Film über Showgirls als ein Film über die Zeit, die vergeht, und über die Frage, was von uns bleibt, wenn das vertraute Leben plötzlich nicht mehr weitergeht.

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