Ein Film über Corona
Songbird erzählt von einer Welt, in der ein mutiertes Virus Los Angeles in einen jahrelangen Lockdown zwingt – beängstigend nah an einer möglichen Zukunft.

Ihr wollt wissen, wie eine Welt aussehen könnte, wenn wir das Coronavirus SARS-CoV-2 nicht eindämmen können? Dann ist Songbird ein ebenso spannender wie beklemmender Blick in eine mögliche Zukunft. Der Film entstand während der Corona-Pandemie und greift viele Ängste auf, die damals unseren Alltag geprägt haben.
Eine Stadt im Dauer-Lockdown
Die Handlung spielt in Los Angeles. Die Menschheit konnte das Virus nicht besiegen und lebt bereits seit vier Jahren unter einem strengen Lockdown. Zu Hause bleiben, Abstand halten und Kontakte vermeiden gehören nicht mehr zu einer vorübergehenden Ausnahmesituation, sondern zum normalen Leben.
Nur Menschen, die als immun gelten, dürfen ihre Wohnungen verlassen. Sie versorgen die übrige Bevölkerung und übernehmen damit Aufgaben, die früher selbstverständlich waren. Selbst Pakete werden nicht einfach an der Haustür übergeben: Spezielle Kästen, die von innen und außen geöffnet werden können, sorgen dafür, dass die Lieferungen desinfiziert werden können.
Das Virus hat inzwischen mehrfach mutiert. Es ist deutlich gefährlicher geworden, überträgt sich über die Luft, bleibt an Kleidung haften und führt häufig schon innerhalb von 24 Stunden zum Tod. Jeden Morgen muss außerdem über eine App ein Krankheitstest durchgeführt werden. Schlägt dieser Alarm, tauchen wenige Minuten später Sicherheitskräfte auf und bringen die Betroffenen in eine spezielle Quarantänezone.
Fiktion mit erschreckenden Parallelen
Natürlich ist das eine fiktionale Zuspitzung – zumindest war es das zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Films und meines ursprünglichen Artikels. Gerade deshalb wirkt Songbird so ungewöhnlich nahbar. Viele Details erinnern an Erfahrungen, die wir selbst gemacht haben: digitale Gesundheitsnachweise, Kontaktbeschränkungen, die Angst vor einer Ansteckung und die Unsicherheit, wie der nächste Tag aussehen wird.
Der Film macht daraus keinen medizinischen Katastrophenfilm. Über das Virus selbst oder eine mögliche Heilung erfahren wir vergleichsweise wenig. Stattdessen interessiert sich Songbird vor allem für die Menschen, die in dieser neuen Ordnung leben müssen. Im Mittelpunkt stehen zwei Paare: ein Paketbote und eine Kundin sowie ein Kriegsveteran und eine YouTube-Streamerin.
Liebe, Schwarzhandel und ein bisschen Hoffnung
Wie so oft in Filmen, die in einer Krisensituation spielen, bildet eine Liebesgeschichte den roten Faden. Der Paketbote gehört zu den wenigen Menschen, die sich frei bewegen dürfen. Die junge Frau, für die er arbeitet, sitzt dagegen in ihrer Wohnung fest. Ihre Beziehung muss über digitale Kanäle und kurze Begegnungen auf Distanz wachsen – und wird dadurch umso kostbarer.
Neben dieser Liebesgeschichte zeigt der Film auch den Schwarzhandel mit speziellen Armbändern. Wer ein solches Armband trägt, gilt als immun und kann sich außerhalb der eigenen vier Wände bewegen. Damit wird aus einem kleinen Gegenstand ein Symbol für Freiheit, Privilegien und die Frage, wer in einer Krise eigentlich Zugang zu Sicherheit bekommt.
Mehr Atmosphäre als Action
Mit knapp 90 Minuten ist Songbird vergleichsweise kurz, bleibt aber über weite Strecken spannend. Michael Bay war an der Produktion beteiligt. Die große, überbordende Action, für die man ihn sonst kennt, steht hier allerdings nicht im Vordergrund. Der Film lebt eher von seiner Atmosphäre, den leeren Straßen und dem Gefühl, dass jede Bewegung Konsequenzen haben kann.
In den Hauptrollen sind unter anderem K. J. Apa, Sofia Carson, Peter Stormare, Alexandra Daddario und Demi Moore zu sehen. Peter Stormare kennt man beispielsweise aus Prison Break. Gerade weil der Film nicht ausschließlich auf bekannte Namen setzt, wirken die Figuren angenehm direkt und weniger wie unverwundbare Actionhelden.
Meine Meinung
Ich finde den Film insgesamt gut. Zum Zeitpunkt meines ursprünglichen Beitrags war es beängstigend zu sehen, wie nah manche Bilder an einer möglichen Zukunft lagen. Heute wirkt Songbird zugleich wie ein Zeitdokument: Er zeigt, welche Sorgen und Gedanken die Pandemie ausgelöst hat, und verwandelt sie in eine persönliche Geschichte.
Die beiden Paare geben dem Film eine menschliche Perspektive. Es geht nicht nur um das Virus und die Regeln, sondern auch um Nähe, Einsamkeit und die Sehnsucht nach einem normalen Leben. Nicht jede Entwicklung wird ausführlich erklärt, und manche Figuren bleiben etwas oberflächlich. Trotzdem funktioniert die Mischung aus Liebesgeschichte, Thriller und Science-Fiction erstaunlich gut.
Besonders gelungen finde ich außerdem den Soundtrack. Der Song „Kingdom“ von Røyale aus dem Abspann passt sehr gut zur melancholischen Stimmung des Films und bleibt auch nach dem Ende noch im Kopf.
Mein Fazit
Songbird ist kein wissenschaftlich detaillierter Film über eine Pandemie und auch kein klassischer Michael-Bay-Actionfilm. Stattdessen zeigt er eine düstere, persönliche Zukunftsvision, in der kleine menschliche Begegnungen plötzlich große Bedeutung bekommen.
Wer sich für Filme über ungewöhnliche Krisensituationen interessiert, kann Songbird einmal eine Chance geben. Die Geschichte ist kurzweilig, spannend und vor allem deshalb interessant, weil sie die Atmosphäre der Corona-Zeit direkt in ihre Handlung übersetzt.
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