Filme / Serien

Star Trek: Lower Decks

Eine Animationsserie über die weniger glamourösen Aufgaben an Bord der USS Cerritos – schnell, schräg und voller liebevoller Star-Trek-Anspielungen.

·5 Min. Lesezeit
Cover von Star Trek: Lower Decks

Star Trek: Lower Decks macht etwas, das im Star-Trek-Universum lange gefehlt hat: Die Serie schaut nicht zuerst auf die Brücke und die großen Entscheidungen der Führungsoffiziere, sondern auf die Menschen, die im Hintergrund den Betrieb am Laufen halten. Das Ergebnis ist eine schnelle, laute und manchmal angenehm alberne Animationsserie – allerdings ausdrücklich keine Kinderserie.

Ein Nachtrag zur zweiten Staffel

Zum Zeitpunkt der ursprünglichen Veröffentlichung war die zweite Staffel bereits angekündigt. Sie ist ab dem 13. August 2021 bei Amazon Prime Video gestartet; anschließend erschien jeden Freitag eine neue Folge. Die folgenden Eindrücke beziehen sich auf die erste Staffel.

Das Logo von Star Trek: Lower Decks mit mehreren Figuren der Serie

Die Crew der USS Cerritos steht selten dort, wo die großen Heldengeschichten beginnen.

Worum geht es?

Bei Lower Decks handelt es sich um eine animierte Science-Fiction-Serie aus dem Star-Trek-Universum. Im Mittelpunkt steht nicht eines der berühmten Flaggschiffe, sondern die USS Cerritos – ein Raumschiff, das in der Sternenflotte eher für Routineaufgaben und zweitrangige Missionen bekannt ist.

Die Handlung spielt im Jahr 2380, also nach den Ereignissen von Star Trek: Nemesis. Erzählt wird vor allem aus der Perspektive von vier jungen Ensigns: Beckett Mariner, Brad Boimler, D’Vana Tendi und Sam Rutherford. Sie arbeiten auf den unteren Decks und müssen sich mit Reparaturen, chaotischen Außeneinsätzen, internen Machtspielen und den ganz normalen Problemen des Bordalltags herumschlagen.

Gerade dieser Blickwinkel macht den Reiz der Serie aus. Während Captain Freeman und die Führungsoffiziere die großen Entscheidungen treffen, versuchen Mariner, Boimler, Tendi und Rutherford, irgendwie ihre Aufgaben zu erledigen – und dabei nicht von einem Alien, einem defekten Transporter oder der eigenen Crew getötet zu werden.

Vier Figuren aus Star Trek: Lower Decks sitzen und stehen in einem Raum der USS Cerritos

Die vier Lower Deckers verbringen ihre Zeit mit Reparaturen, Außeneinsätzen und jeder Menge improvisierter Problemlösung.

Kein Zeichentrick für Kinder

Dass Lower Decks animiert ist, darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich die Serie an ein erwachsenes Publikum richtet. Der Humor ist oft derb, es gibt zahlreiche Schimpfwörter und die Serie geht mit Gewalt deutlich freier um als viele klassische Star-Trek-Produktionen. Blut, abgetrennte Körperteile und ziemlich absurde Todesgefahren gehören zum wiederkehrenden Inventar.

Das funktioniert erstaunlich oft, weil die Serie ihre Übertreibungen mit einem sehr sicheren Timing präsentiert. Manchmal schrammt sie allerdings haarscharf an der Grenze zur Lächerlichkeit vorbei. Lower Decks ist dann am stärksten, wenn der Unsinn aus einer konkreten Star-Trek-Idee entsteht – und nicht nur deshalb auftaucht, weil ein Witz möglichst laut sein soll.

Die erste Staffel besteht aus zehn Folgen mit einer Laufzeit von jeweils ungefähr 25 Minuten. Dadurch ist die Serie schnell gesehen und eignet sich gut für einen Abend, an dem man keine große, komplizierte Handlung beginnen möchte. Zum ursprünglichen Veröffentlichungszeitpunkt war die erste Staffel bei Amazon Prime Video auf Deutsch und Englisch verfügbar.

Eine Liebeserklärung an Star Trek

Meine Meinung zu Lower Decks fällt deshalb etwas zwiespältig aus. Auf der einen Seite ist die Serie verrückt, abgedreht und stellenweise überraschend brutal. Auf der anderen Seite ist sie sehr witzig und steckt voller Anspielungen auf die alten Serien und Filme.

Wer mit Star Trek aufgewachsen ist oder viele der älteren Serien kennt, wird an zahlreichen Stellen seine Freude haben. Die Witze funktionieren dabei nicht ausschließlich über bekannte Namen. Oft geht es um kleine Details: typische Sternenflotten-Routinen, längst vergessene Spezies, vertraute technische Probleme oder die Frage, warum ausgerechnet die Enterprise immer die prestigeträchtigen Missionen bekommt.

Auch die USS Cerritos leidet unter diesem Vergleich. Immer wieder wird sie mit der Enterprise verwechselt oder muss sich damit abfinden, dass andere Schiffe scheinbar die interessanteren Aufträge erhalten. Das ist eine einfache Idee, passt aber hervorragend zum Grundgedanken der Serie: Nicht jede Crew rettet täglich die Galaxis. Manche muss zuerst dafür sorgen, dass die Versorgungsschächte funktionieren.

Die Figuren tragen die Serie

Besonders gut funktioniert das Zusammenspiel der vier Hauptfiguren. Boimler möchte alles richtig machen und wirkt dabei oft überfordert. Mariner ist erfahren, impulsiv und für fast jede Regelverletzung zu haben. Tendi begegnet ihrer neuen Umgebung mit ansteckender Begeisterung, während Rutherford als Ingenieur ständig an neuen technischen Lösungen arbeitet.

Diese Unterschiede sorgen für einen angenehmen Rhythmus. Die Figuren sind nicht bloß Stichwortgeber für Witze, sondern entwickeln im Verlauf der Staffel eigene Beziehungen und kleine Konflikte. Dadurch bekommt die Serie trotz ihrer kurzen Folgen genug Herz, um nicht wie eine reine Sammlung von Fanreferenzen zu wirken.

Lohnt sich die Serie?

Muss man Star Trek: Lower Decks gesehen haben? Nein. Wer mit Star Trek wenig anfangen kann, wird vermutlich nicht jede Anspielung erkennen und manches Überdrehen anstrengend finden. Für Fans lohnt sich die Serie aber schon deshalb, weil sie das bekannte Universum aus einer ungewohnten Perspektive betrachtet.

Mein wichtigster Tipp: Wenn ihr anfangt, schaut die erste Staffel bis zum Ende. Die letzte Folge legt noch einmal ordentlich zu und zeigt, was in dieser Serie alles möglich ist. Ich möchte nicht zu viel verraten, aber es tauchen bekannte Elemente und Figuren auf, die für ein breites Grinsen sorgen können.

Mein Fazit

Star Trek: Lower Decks ist nicht die wichtigste Serie des Franchise und sicher auch nicht für jeden Geschmack geeignet. Sie ist laut, derb und gelegentlich kurz davor, ihren eigenen Unsinn zu übertreiben. Gleichzeitig steckt sie voller Respekt für das Universum, das sie parodiert.

Ich hatte beim Anschauen jedenfalls meinen Spaß und werde mir auch die zweite Staffel ansehen. Wer Lust auf eine kurze Science-Fiction-Komödie hat und sich über liebevolle Seitenhiebe auf Kirk, Picard und die übrige Star-Trek-Geschichte freuen kann, darf der USS Cerritos ruhig einen Besuch abstatten.

Vorschaubild des deutschen Trailers zu Star Trek: Lower DecksVideoStar Trek: Lower Decks – deutscher TrailerAuf YouTube ansehen
Teilen

Weiterlesen

Filme / Serien·

Ghostbusters: Legacy

Ghostbusters: Legacy ist eine liebevolle Fortsetzung der beiden Klassiker – nostalgisch, unterhaltsam und mit einer neuen Generation von Geisterjägern.

4 Min. Lesezeit
Filme / Serien·

Ein Film über Corona

Songbird erzählt von einer Welt, in der ein mutiertes Virus Los Angeles in einen jahrelangen Lockdown zwingt – beängstigend nah an einer möglichen Zukunft.

5 Min. Lesezeit
Filme / Serien·

Das Glück hat acht Arme

Ein warmherziges Drama über eine ungewöhnliche Freundschaft, eine kluge Krake und die Möglichkeit, auch spät im Leben noch einmal neu anzufangen.

4 Min. Lesezeit